Das elektronische Einsatzleiterhandbuch
auch Fluorwasserstoffsäure genannt, ist die wässrige Lösung von Fluorwasserstoff (HF). Flusssäure ist eine in hohem Grade ätzende Chemikalie, die äußerst schmerzhafte Wunden verursachen kann. Die Aufnahme großer Mengen an Fluorid-Ionen durch Einatmen von Flusssäuredämpfen kann zu systemischen Vergiftungen führen.
Flusssäure ist eine starke Säure, die mit vielen Verbindungen unter starker Wärmeentwicklung reagiert und dabei leicht entflammbare und explosive Stoffe bilden kann. Sie greift Metall, Glas und Stein an und löst Silizium auf und muss daher in Plastik, Blei, Wachs oder Paraffinflaschen aufbewahrt werden.
Flusssäure wird zur Herstellung anorganischer Fluoride und bei der Oberflächenbehandlung von Gläsern und Metallen eingesetzt (Reinigen, Ätzen, Emaillieren). Als verdünnte Lösung dient sie als Industrie- und Haushaltsreiniger und als Hilfsstoff in der Elektronik- und Halbleiterindustrie.
Fluorwasserstoff ist eine stechend riechende, bei 19-20°C siedende, farblose, klare, an feuchter Luft stark rauchende Flüssigkeit. Auch diese Dämpfe der Flusssäure sind giftig.
Flusssäure siedet als azeotropes Gemisch bei 112°C. Bei Erhitzen von Flusssäure mit einer Konzentration > 40 % gast Fluorwasserstoff aus.
Notarzt alarmieren! Patient auf jeden Fall entkleiden und dekontaminieren! Nach den ersten Maßnahmen schnellstmöglich in geeignetes Krankenhaus transportieren, Voranmeldung des Patienten im Krankenhaus.
Patienten, die selbst oder deren Kleidung mit Flusssäure benetzt ist, können Rettungskräfte und andere Personen durch direkten Kontakt oder durch Flusssäuredämpfe gefährden.
Durch den Kontakt mit Flusssäure kann es zu einer Reaktion des Fluors mit körpereigenem Kalzium kommen. Ein deutlicher Abfall des Kalziumspiegels und andere Stoffwechselveränderungen mit tödlichem Ausgang können die Folge sein. Insbesondere Herzrhythmusstörungen, Herz- und Nierenversagen können auftreten.
Augen: Auge 10 Minuten mit Wasser spülen, alternativ mit 1 %igen Kalziumgluconat-Lösung, unverletztes Auge schützen. Lockeren Verband anlegen.
Haut: Benetzte Kleidung entfernen, Selbstschutz beachten. Haut und Schleimhäute gründlich mind. 5 Minuten mit viel Wasser spülen (ggf. mit Notdusche falls vorhanden). Calciumgluconat-Gel (2,5%ig) reichlich auftragen und leicht einmassieren, auch wenn kein Schmerz empfunden wird. Zwischendurch Spülen und erneut Calciumgluconat-Gel auftragen. Behandlung bis Schmerzfreiheit und danach noch für weitere 15 Minuten fortsetzen. Calciumgluconat-Gel wird in Laboren die mit Flusssäure umgehen in einem Notfall-Set vorgehalten. Die Anwendung von Calciumgluconat-Gel ist unschädlich; es kann also auch im Verdachtsfall verwendet werden wenn nicht klar ist ob eine Flusssäure-Verätzung erfolgt ist. Nasse Umschläge mit 10%iger Calciumgluconat-Lösung auflegen, wenn kein Calciumgluconat-Gel verfügbar. Spritzen von Calciumgluconat-Lösung unter die Haut nur durch einen Arzt! Verletzten ruhig lagern und vor Unterkühlung schützen. Bei Kontakt mit mehr als 40%-iger Flusssäure, insbesondere der oberen Körperhälfte, gleichzeitige Inhalation wahrscheinlich (siehe Atmungsorgane).
Atmungsorgane: Verletzten an frische Luft bringen, Selbstschutz beachten! Die Person auch bei Beschwerdefreiheit tragen. Mit erhöhtem Oberkörper lagern. So schnell wie möglich Glucocorticoid-Dosieraerosol wiederholt tief einatmen lassen. Bei Atemnot Sauerstoff geben, wenn vorhanden 6 ml einer wässrigen Lösung Kalziumgluconat (2,5 %) durch Zerstäuber mit 100 %igem Sauerstoff geben. Verletzten ruhig lagern und vor Unterkühlung schützen. Bei Atemstillstand künstliche Beatmung (z.B. Beatmungsbeutel), Selbstschutz beachten!
Verschlucken: Mund ausspülen, Flüssigkeit wieder ausspucken. Sofort 1-4 Trinkampullen "frubiase calcium T" oder 1%ige Calciumgluconat-Lösung in kleinen Schlucken trinken lassen, ersatzweise Milch, Kreideaufschwemmung, sonst Wasser. Bei Erbrechen Kopf tief halten, damit Erbrochenes abfließen kann. Verletzten ruhig in Schocklage lagern und vor Unterkühlung schützen.
Symptome einer Flusssäureverätzung
Teilweise werden mit Flusssäure-gefüllten Filzstiften Ätz-Graffitis auf Glasscheiben angefertigt, sogenanntes "Etching". Die Schriftzüge auf der Scheibe sind milchig und aufgeraut (aber nicht berühren!). Ist die Flusssäure noch mit der "Original-Tinte" vermischt, so können die Graffitis auch farbig sein.
Bei Kontakt mit Wasser entsteht wieder Flusssäure, dafür ist auch bereits die Feuchtigkeit der Haut ausreichend. Teilweise ist der Mischung auch Schwefelsäure beigemischt.
Etching erfüllt nicht nur den Straftatbestand der Sachbeschädigung, sondern auch §330a StGB "Schwere Gefährdung durch Freisetzen von Giften", daher sollten solche Einsätze in enger Abstimmung mit der Polizei erfolgen.
Siehe auch AEGL-Erklärungsseite
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Fluorwasserstoff-Säure, Flourwasserstoffsäure, Flourwasserstoff-Säure, Flußsäure